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LC Meas: Messung von Induktivität und Kapazität mit Soundkarte |
Viele Freunde von Elektronikbasteleien, speziell aber im Zusammenhang mit
Teslaspulen, stehen irgendwann vor Aufgabe, Kapazitäten oder Induktivitäten messen zu wollen.
Natürlich gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten bzw. im Handel erhältlichen Messgeräten,
welche entweder recht ungenau oder aber sehr teuer sind.
Dieses Problem soll mit diesem Artikel und dem zugehörigen Programm einer Lösung zugeführt werden.
Es ist Ziel dieses Projektes
ein sehr kostengünstiges, sehr einfaches und trotzdem recht genaues Messmittel
für Induktivitäten, Kapazitäten und Widerstände bereitzustellen.
Basis für dieses Messmittel soll eine Soundkarte mit minimaler äußerer Zusatzschaltung,
sowie ein Softwareprogramm mit grafischer Nutzeroberfläche sein.
Hardy Scheidig
(August 2011)
|   Version |   Datum |   Bemerkung |
|   1.0 |   20.04.2008 |   Grundversion |
|   1.1 |   15.08.2008 |   geringfügige Korrekturen |
|   1.2 |   31.05.2009 |   geringfügige Anpassungen |
|   ... |   ... |   ... |
|   1.5 |   14.03.2010 |   Unterstützung der Auswahl der Soundkarte   Export-Funktion zum Speichern der aktuellen Anzeige   Erweiterung der Tools:   - Capture Tool zum Protokollieren von Messungen   - Coupling Estimation zur Bestimmung des Koppelfaktors von verkoppelten Induktivitäten |
|   1.9 |   28.08.11 |   Überarbeitung der Messalgorithmen.   - Anstatt des Zweitonsignals wird nun ein reines Sinussignal mit   wählbarer Frequenz verwendet.   -"LineIdent" Funktionalität wurde verworfen.   -"DirectCal" Kalibrierung wurde eingeführt.   Vorschlag für einen Eingangsverstärker wurde zugefügt.   Kapitel FAQ wurde zugefügt. |
1.3 Urheberrechtsbestimmung
Der Inhalt dieses Werkes mit allen Texten und Abbildungen ist, soweit nicht anders gekennzeichnet,
das geistige Eigentum von Hardy Scheidig.
Es unterliegt den deutschen und internationalen Urheberrechtsbestimmungen.
Alle Rechte vorbehalten.
Überblick:
Die Messung von Induktivität, Kapazität und Widerstand entspricht
in der elektrotechnischen Netzwerkanalyse einer Zweipolmessung.
Als Basis für das Messprinzip soll die einfachste Methode, nämlich ein simpler Spannungsteiler, zur Anwendung kommen.
Dieses Messprinzip macht es möglich, dass sich der Bauteilaufwand auf einen einzigen Widerstand
plus Anschlusskabel zur Soundkarte reduziert.
Aber, trotz der Einfachheit des Prinzips lassen sich dank der Möglichkeiten eines Computers
und mit geeigneten Signalverarbeitungsalgorithmen erstaunliche gute Ergebnisse erzielen.
Die Grundlagen basieren auf einem Verfahren aus dem Jahre 1985, welches nunmehr Stand der Technik ist:
"Verfahren zur Bestimmung von verlustbehafteten Induktivitäten und Kapazitäten";
Patentschrift DD 228 910 A1 , veröffentlicht am 23.10.1985
Messprinzip:
Die folgende Darstellung illustriert das Messprinzip.
Die zugehörige Beschreibung gibt einen Überblick über die Funktionalität.
Abbildung 1 - Messprinzip für Zweipolmessung
Z:
Referenzwiderstand R_Ref:
Generator G / SoundCard Output 1:
Spannungsmessung (V) / Soundcard Input 1/2:
Schalter S1:
Computer:
Wie bereits erwähnt,
ist im einfachsten Fall außer dem Anschlusskabel zur Soundkarte nur ein einziger Widerstand erforderlich.
Die folgende Abbildung zeigt die Schaltung
Abbildung 2 - Verschaltung der Soundkarte zur LC-Messung
Achtung !!
Vorsicht ist geboten, damit die Soundkarte nicht beschädigt wird.
SoundCard In 1/2 :
SoundCard Out 1/2 :
Grafisches User Interface und Messalgorithmen sind im Programm "LCMeas" enthalten.
Abbildung 3 - Hauptfenster des Programmes LcMeas
Settings:
R_Ref:
Generator Frequenz (Gen. Freq.):
Meas Time:
Meas Type:
Action Buttons:
Start /Stop:
Direct Cal:
Open-Cal:
Short-Cal:
Signal Level:
Zur Optimierung der Genauigkeit ist es wichtig, dass die Soundkarteneingänge gut ausgesteuert sind.
Die "Level-Anzeige" dient der Einstellung einer optimalen Aussteuerung.
Am Soundkarteneingang sollte man den Line-Eingang (also nicht den Mikrofoneingang) benutzen
und nur eine möglichst geringe Verstärkung einstellen.
Die Balance muss mittig stehen. Siehe --> Abbildung 4
Abbildung 4 Einstellung Soundkarteneingang
Dann kann man die Lautstärke für den Soundkartenausgang so einstellen,
dass die Levelanzeige im "grünen Bereich" steht.
Dies sollte sowohl bei "offenen Messanschlüssen" als auch bei "kurzgeschlossenen Messanschlüssen" der Fall sein.
Eine gelbe Levelanzeige signalisiert nichtoptimale Aussteuerung.
Die Messergebnisse sind noch immer richtig.
Eine rote Levelanzeige signalisiert Über - oder Untersteuerung.
Die Messergebnisse sind vermutlich verfälscht.
Results:
Als Ergebnis werden Impedanztyp und Werte für Widerstand und Induktivität bzw. Kapazität angezeigt.
Die Software unterstützt anzeigemäßig folgende Messbereiche:
In einem weiteren Fenster werden zusätzlich folgende Größen angezeigt:
Export:
Dieser Menüpunkt ermöglicht es, die momentane Darstellung gewissermaßen als Snapshot-Bild abzuspeichern.
SoundCard:
Dieser Menüpunkt ermöglicht es, Soundkarteneinstellungen vorzunehmen.
4.2 Tool:
4.2.1 CaptureTool
Das Capture Tool ermöglicht es, Messungen sowie deren zeitlichen Bezug zu protokollieren.
Dies ist hilfreich , wenn die Veränderung einer Impedanz erfasst werden soll.
Das Format soll anhand des folgenden Beispielprotokolls beschrieben werden:
Die erste Zeile gibt an , wann die Protokollierung gestartet wurde.
Es folgt die Messfrequenz
Die darauf folgenden Zeilen sind Messergebisse, welche durch ";" voneinander getrennt sind.
Die letzte Zeile gibt an , wann die Protokollierung beendet wurde.
4.2.2 Coupling Estimation
Coupling Estimation ist ein Tool zur Berechnung des Koppelfaktors zwei gekoppelter Induktivitäten,
wie z.B. bei einem Transformator. Die Grundidee basiert auf dem Zusammenhang zwischen Leerlauf-
und Kurzschlussinduktivität in einem System gekoppelter Induktivitäten.
L-Open:
L-Short:
Coupling:
Überblick:
Grundlage des Messverfahrens ist die synchrone, amplituden- und phasenrichtige Signalerfassung
über zwei Kanäle. Theoretisch sollten die beiden Kanäle identisch sein. In der Praxis und
insbesondere bei der Signalerfassung mittels Soundkarte ist dies jedoch nicht oder nur bedingt der
Fall, was zu Einbußen in der Genauigkeit führt.
Störsignale:
Gain Imbalance:
Phase Imbalance:
Einganswiderstand:
Induktivität und Klemmwiderstand:
Referenzwiderstand R_Ref:
Veränderung der Betriebspannung bzw. der Temperatur der Soundkarte:
6.1 Eingangsverstärker
Eine der Quellen für Messfehler ist der vergleichsweise niedrige und zeitlich nicht konstante
Eingangswiderstand der Soundkarte. Mittels einer einfachen zusätzlichen Beschaltung kann man die
Situation wesentlich verbessern. Dazu wird zwischen Soundkarteneingang und dem ursprünglichen
Abgriffspunkt ein Operationsverstärker als Impedanzwandler geschaltet. Beispielhaft kommt hier ein
altertümlicher BIFET Doppel-Operationsverstärker B082 von RFT zur Anwendung.
7 FAQ (Frequently Ask Questions) Weiterführende Links
Die Protokolldatei wird in ASCII Format angelegt, so dass es möglich ist, diese direkt zu lesen oder
auch beispielsweise in Excel zu importieren.
#capturing started y:m:d:h:m:s: 2010:03:14:12:20:19
#Measurement Frequency: 5.000 kHz
Ls; 12:20:19; 9.35825; 0.9
Ls; 12:20:19; 9.35823; 0.9
Ls; 12:20:20; 9.35837; 0.9
Ls; 12:20:20; 9.35652; 1.0
Ls; 12:20:20; 9.35857; 0.9
Ls; 12:20:21; 9.35879; 0.9
Ls; 12:20:21; 9.35851; 0.9
Ls; 12:20:22; 9.35859; 0.9
Ls; 12:20:22; 9.35868; 0.9
Ls; 12:20:23; 9.35873; 0.9
Ls; 12:20:23; 9.35875; 0.9
Ls; 12:20:24; 9.35874; 0.9
Ls; 12:20:24; 9.35868; 0.9
Ls; 12:20:25; 9.35875; 0.9
Ls; 12:20:25; 9.35880; 0.9
Ls; 12:20:26; 9.35881; 0.9
Ls; 12:20:26; 9.35887; 0.9
Ls; 12:20:27; 9.35880; 0.9
Ls; 12:20:27; 9.35859; 0.9
Ls; 12:20:28; 9.35874; 0.9
Ls; 12:20:28; 9.35871; 0.9
Ls; 12:20:29; 9.35888; 0.9
Ls; 12:20:29; 9.35888; 0.9
Ls; 12:20:30; 9.35879; 0.9
#capturing finished y:m:d:h:m:s: 2010:03:14:12:20:33
Bei unzureichender Kalibrierung oder sehr kleinen Werten können hier auch
negative Werte auftauchen. Negative Werte sind als ungültig zu betrachten.
Die Leerlaufinduktivität bezeichnet dabei die gemessenen Induktivität Lopen einer der beiden (oder
auch vielen) Spulen, während die zweite Spule nicht beschaltet ist und sich gewissermaßen im
Leerlauf befindet.
Die Kurzschlussinduktivität bezeichnet die gemessene Induktivität Lshort der Spule (die, für welche
zuvor die Leerlaufinduktivität vermessen wurde) , während die zweite Spule kurzgeschlossen wird.
Es sind folglich zwei Messungen notwendig eine zur Bestimmung von Lopen und eine zur Bestimmung
von Lshort.
Im Übrigen gilt stets die Relation Lopen >= Lshort.
Ohne weiter Herleitung ergibt sich der Koppelfaktor zu:
Abbildung 5 zeigt das Coupling Fenster für einen typischen Fall.

Abbildung 5 – Coupling Estimation Tool
Die Unterschiede der Kanäle sind zum einen durch das System (Hardware, Messaufbau, Toleranzen)
und zum anderen durch die Software bzw. deren fehlerhafte Einstellung verursacht.
Zunächst sollten die Einstellungen optimiert werden. Für die restlichen Ungenauigkeiten kommen
spezielle Kalibrierroutinen zur Anwendung, welche die Größe vermessen und anschließend
weitestgehend kompensieren.
Generell gilt die Aussage, dass die Genauigkeit bei der elektrischen Netzwerkanalyse stets auch eine
Frage der Qualität der Kalibrierung ist. Je veränderlicher das Instrumentarium zur Messung ist, und
dies betrifft Messungen mit der Soundkarte im besonderen Maße, desto mehr und öfter muss kalibriert werden.
Größenordnung des Verstärkungsunterschiedes bis zu 2%.
Die Treibersoftware moderner Soundkarten bietet oftmals Möglichkeiten das Klangbild zu
beeinflussen. Diese Soundeffekte sind allerdings meist nur auf das SoundCard Out Signal
angewendet. Allerdings führen sie zu einer Verschlechterung der speziellen
Stimulussignals und sollten deshalb deaktiviert werden.
Der Line In Verstärkungsregler sollte so minimal wie möglich eingestellt werden, da durch
die Verstärkung die systembedingte Imbalance ggf. vervielfacht wird. Man sollte besser
den Pegel des Generatorsignals erhöhen, und die Verstärkung des Line-In Eingangs so
niedrig wie möglich belassen.
Der Line In Verstärkungsregler sollte so minimal wie möglich eingestellt werden, da sich
durch höhere Verstärkung auch die Phasendrehung (und somit der Phasenunterschied) vergrößert.
Abbildung 6 - Impedanzwandler am Soundkarteneingang

Abbildung 7 – Praktischer Aufbau USB-Soundkarte und Eingangsverstärker
http://de.wikipedia.org/wiki/Induktivität.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kapazität.