Als erster Teil ist das Ziel dieses Werkes die
elektrotechnische Analyse des Resonators.
Notiz:
Im Zusammenhang mit den zur Analyse durchgeführten Simulationen ist ein Programm entstanden,
welches unter -->
Download Analyse Programm
zur Verfügung gestellt wird.
Hardy Scheidig
(Januar 2007)
Der Inhalt dieses Werkes mit allen Texten und Abbildungen ist,
soweit nicht anders gekennzeichnet, das geistige Eigentum von Hardy Scheidig.
Es unterliegt den deutschen und internationalen Urheberrechtsbestimmung.
Alle Rechte vorbehalten.
Die folgende Darstellung illustriert den prinzipiellen
Aufbau der Solid State Tesla Coil (SSTC).
Ersatzschaltbild
Die Basis für die Analyse der Vorgänge und Abhängigkeiten bildet folgendes Ersatzschaltbild.

Abbildung 2: Ersatzschaltbild der Solid State Tesla Coil (SSTC)
So einfach die Schaltung des Resonators auch aussehen mag,
die allgemeine mathematische Analyse des Konstrukts ist es nicht, denn sie
führt zu einem nicht trivialen Differenzialgleichungssystem.
Vereinfachungen
Zur Vereinfachung sollen folgende Festlegungen getroffen werden:
Ein Reihenwirkwiderstand von L1 ist vernachlässigbar klein oder wird dem Widerstand Ri zugeschrieben.
C1
Bei der typischen Solid State Tesla Coil (SSTC) wird C1 nicht (noch nicht) verwendet und
soll deshalb am Anfang der Betrachtungen mit C1 = 0 angenommen werden.
Es wird sich am Ende der Betrachtungen zeigen, dass C1 eine konstruktive Verbesserung darstellt.
Rr ist klein im Vergleich zu XL2 (Blindwiderstand von L2)
Es wird vorerst von einer sinusförmigen Erregerspannung ausgegangen.
Auch wenn letztendlich mit einem periodischen Rechtecksignals erregt wird,
kann man dieses auch als Summe von sinusförmigen Spannungen ansehen,
deren stärkste Komponente hier die Hauptbeachtung findet.
Es soll vorerst nur der stationäre (also eingeschwungene) Zustand betrachtet werden.
Das heißt, Einschwingvorgänge werden in den Betrachtungen vorerst außer acht gelassen.
Reduziertes Ersatzschaltbild
Mit den genannten Vereinfachungen kommt man unter Ausnutzung des typischen Transformatorersatzschaltbildes
zu folgendem reduzierten Ersatzschaltbild:

Abbildung 3: Reduziertes Ersatzschaltbild der Solid State Tesla Coil (SSTC)
Bemerkung:
Dieses Ersatzschaltbild ist nur eine Näherung.
Intension dieser Ersatzschaltung ist es, die gesamte Streuung auf die Sekundärseite zu transformieren.
Somit ergeben sich später Ausdrücke, welche die für den Resonator bestimmenden Größen L2, C2, R2 (bzw. R2p) beinhalten.
Definitionen:
Koppelfaktor k
Übertragungsfaktor (Transfer Factor) TF
L1 und L2 sind dabei die tatsächlichen Größen gemäß Abbildung 2
Ri:
Innenwiderstand der treibenden Spannungsquelle also des Verstärkers
Sollte L1 einen nicht vernachlässigbaren Reihenwirkwiderstand aufweisen,
so kann man diesen ggf. auch dem Innenwiderstand zuordnen.
Tr1:
idealer Transformator
mit sehr großer Primärinduktivität Lprim
mit sehr großer Sekundärinduktivität Lsec
mit kTr1=1

Der Übertragungsfaktor (auch gern mit „Ü“ bezeichnet) entspricht hier TFTr1.
Die absoluten Größen von Lprim und Lsec sind irrelevant solange
k=1 ist
und das Verhältnis TFTr12 ist
L1:
Primär- Induktivität
könnte rechnerisch auch durch
ersetzt werden.
L2b:
C2:
stellt den Ersatz für alle resonatorrelevanten Kapazitäten dar.
Top Kapazität (hauptsächlich zur Erde)
verteilte Kapazität der Windungen (Oberfläche) zur Erde
verteilte Kapazität der Windungen untereinander.
R2p:
vereinigt alle reell- wertigen Widerstände des Sekundärkreises (also des Resonators der Solid State Tesla Coil (SSTC)).
Diese sind im wesentlichen:
der zu einem Parallelanteil R2pRr transformierte Spulenwiderstand Rr
der Strahlungswiderstand Rs, welcher die Summe aller Wirkanteile repräsentiert,
die sich dem Stromfluss durch die verteilten Kapazitäten entgegenstellen.
Solche Wirkanteile sind beispielsweise:
das Widerstandsäquivalent zur im Funken erzeugten Wärme
das Widerstandsäquivalent einer beliebigen Leiterschleife,
welche sich im Strahlungsbereich der Spule befindet
das Widerstandsäquivalent der Energie welche als Hertzsche Welle in den Raum abgestrahlt
und letztendlich irgendwo in Wärme umgewandelt wird.
4 Analyse (stationärer Zustand)
Zur Dimensionierung der Solid State Tesla Coil (SSTC) (also von Resonator und Ansteuerung als auch zur Abschätzung der zu erwartenden Ergebnisse ist es hilfreich,
die wesentlichen Eigenschaften des Resonators zu analysieren.
Eigenschaften:
Resonanzfrequenz
Spannungsübersetzung (U2/U1) bzw. (U2/Ug)
Resonanzschärfe
Eingangsimpedanz
Widerstand, den der Verstärker „sieht“
Wirkung des Reihenwiderstandes
Wirkung des Innenwiderstandes
Leistungsbilanz
Wie bereits erwähnt würde eine umfassende Analyse der Solid State Tesla Coil (SSTC) zu
Differenzialgleichungssystemen führen deren Lösung und Interpretation das Ziel
dieser Abhandlung verfehlen würden.
Die Analyse sei auf sinusförmige Erregung beschränkt. Zur
Vereinfachung der Berechnungen wird auf Widerstandsoperatoren
(wie z.B. ZL = jXL = jwL) zurückgegriffen.
4.1 Vorbetrachtungen
Wie bereits erwähnt sind übliche Koppelfaktoren im Bereich k= 0.1…0.4.
Das heißt:
L2b = L2*(1-k2) = L2* {0.99 … 0.84}
Der Spulenwiderstand Rr ist typischerweise im Bereich
Rr = (..10…200..) Ohm. Es ist zu beachten, dass der reelle Wirkwiderstand bei Wechselstrom ggf. deutlich höher sein kann
als der Wirkwiderstand bei Gleichstrom.
Das Verhältnis L2b/C2 hat die Dimension ohm2.
Für Teslaspulen hat L2b/C2 in der Regel einen sehr hohen Zahlenwert in der Größenordung:
beispielsweise L2b/C2 => 109 Ohm2
bzw. 
Der Kehrwert C/L ist dementsprechend sehr klein
Der Innenwiderstand des Verstärkers Ri sollte klein im Vergleich zur Impedanz von L1 (bei Arbeitsfrequenz) sein.
Wie sich später noch zeigen wird, ist dies sowohl für die Spannungsübersetzung als auch für den Wirkungsgrad
der Solid State Tesla Coil (SSTC) von Bedeutung.
Bei Transistor basierenden Verstärkern kann man typischerweise von Ri = (2..20) ohm ausgehen.
4.2 Wirkung des Reihenwiderstandes Rr
Wie bereits erwähnt, soll der reelle Reihenwiderstand Rr der Sekundärinduktivität
dem parallelen Wirkwiderstand R2p zugerechnet werden.
Ansatz / Herleitung:
Gleichsetzung der Schaltungen
jXL2b+ Rr + jXC2 und
jXL2b+ (R2pRr || jXC2 )
Dies führt zu:

Der Fokus der Betrachtungen liegt bei dem Verhalten in der Nähe der
Resonanzfrequenz (f ≈ f0). Dafür ergibt sich näherungsweise:

Geht man zudem davon aus, dass
ist,
so folgt durch eine weitere Näherung:

Diskussion:
Beispiel:
Für einen Solid State Tesla Coil (SSTC)
Reihenwiderstand von Rr = 50 ohm
L2b/C2 => 109 ohm2
ergibt sich für den Anteil am Parallelwiderstand R2pRr≈ 20 Mohm.
Spulen mit hohem Reihenwiderstand (dünner Draht) sollten nicht mit übertriebener,
zusätzlicher Top-Kapazität ausgestattet werden.
Es wird sich zeigen, dass R2pRr (als Anteil der sekundären Last) einen (wenn auch geringen) Einfluss hat auf:
die Resonanzfrequenz
die Bandbreite
und die Spannungsübersetzung
4.3 Wirkung des Innenwiderstandes Ri
Es sei angenommen, dass der Innenwiderstand des Generators (bzw. des Verstärkers) rein reell ist.
Dies kann man in sofern annehmen, weil man eventuelle induktive Anteile (z.B bedingt durch lange Leitungen)
der Induktivität L1 zurechnen könnte.
Weißt der Innenwiderstand Ri eine relevante Größe auf, so hat dies Einfluss auf
die Resonanzfrequenz
die Bandbreite
und die Spannungsübersetzung
Zur Analyse ist es hilfreich, das reduzierte Ersatzschaltbild (Abbildung 3) erneut zu modifizieren.
Die folgende Abbildung illustriert die Modifikation.

Abbildung 4: Modifiziertes Ersatzschaltbild der Solid State Tesla Coil (SSTC)
Ersatzgrößen:
Ug_m:

für (f ≈ f0) ergibt sich näherungsweise:

Ri_m:

für (f ≈ f0) ergibt sich näherungsweise:

R2pRim
Ri_m kann man näherungsweise ebenfalls in den Sekundärkreis transformieren und
als Anteil R2pRim der gemeinschaftlichen parallelen Last R2m = (R2p || R2pRim) zurechnen.

Beispiel:
Für einen typischen Fall
L2b/C2 => 109 ohm2
TF = 4
Ri = 10 Ohm
ergeben sich:
Ri_m ≈ 9.85 Ohm
R2pRi_m ≈ 6.1 Mohm.
L1m:

für (f ≈ f0) ergibt sich näherungsweise:

L2m:
Um den Einfluss auf die Resonanzfrequenz zu erklären, kann L1m auf die Sekundärseite transformiert werden.
Dies ergibt:

mit L1*TF2 = L2*k2 folgt


Diskussion des Einflusses auf die Resonanzfrequenz:
Nach der Umformung des Ersatzschaltbildes der Solid State Tesla Coil (SSTC) lässt sich erkennen,
dass man die Ersatzgröße L1m als zusätzlichen Induktivitätsanteil zu L2b einbringen kann.
Das so entstandene L2m kann nun anstatt L2b in die entsprechenden
Formeln eingebracht werden, um näherungsweise die durch Ri leicht veränderte
Resonanzfrequenz zu bestimmen.
Für Ri --> ∞folgt:
Der Sekundärkreis wird durch den Primärkreis nicht mehr belastet. L2 wird nicht mehr durch die Kopplung in den Primärkreis verringert.
Vergrößerung von Ri führt zu einer Verringerung der Resonanzfrequenz.
Für Ri --> 0 folgt:
Der Primärkreis ist kurzgeschlossen. Die Kopplungsbedingte Reduzierung der Sekundärinduktivität wird voll wirksam.
Dies ist übrigens der angestrebte Fall.
Wie sich später zeigen wird, hat auch die zusätzliche Bedämpfung
des Sekundärkreises durch R2pRim einen Einfluss auf Resonanzfrequenz und Bandbreite der Solid State Tesla Coil (SSTC).
Diskussion des Einflusses auf die Spannungsübersetzung:
Dieser Einfluss findet Berücksichtigung durch
den Korrekturfaktor mug
sowie durch die zusätzliche Dämpfung im Sekundärkreis (R2pRi_m)
Für Ri     folgt mug --> 0
Für Ri = 0 folgt mug --> 1
Für eine maximale Spannungstransformation ist folglich die Minimierung des Innenwiderstand geboten.
Bemerkung:
Sieh auch --> L1-Kompensation
4.4 Resonanzfrequenz
Im Zusammenhang mit Schwingkreisen spricht man von Resonanz,
wenn sich die Blindkomponenten aufheben also zu Null werden.
Bildkomponenten sind induktive oder kapazitive Widerstände (Reaktanzen) an welchen (im Gegensatz zu
Wirkwiderständen (Resistanzen)) keine Energie in Wärme umgewandelt wird.
Ansatz:
Die Impedanz Z = R+jX wird bei Resonanz reell (jX = 0)
Der für die Ausgangsspannung (Spannung über C2) entscheidende Ersatzschaltungsteil
(siehe --> Abbildung 4) ist der Reihenschwingkreis bestehend aus L2m+ (C2 || R2m).
Die Einflüsse der Primärseite sind durch die Verwendung von L2m (anstatt L2b) und R2m (anstatt R2p) bereits in den Sekundärkreis
transformiert.
Für die Impedanz ZS des Schwingkreises folgt :

Löst man Zs in Real – und Imaginärteil auf und
setzt den Imaginärteil zu Null, so kann man unter Zuhilfenahme einer Näherung
die Resonanzfrequenz f0 bestimmen.

Für R2m => ∞ (was indirekt auch L2m = L2b bedeutet)
konvergiert f0 gegen 
Allerdings ist f0 nicht exakt die Frequenz fm,
bei welcher das Maximum der Spannungsübersetzung auftritt. fm
liegt noch ein wenig neben der Resonanzfrequenz f0.
Es gilt :


Diskussion:
R2m Abhängigkeit
Für hinreichend große R2m ( R2m > L2m/C2 ) kann man den hinteren Term vernachlässigen, denn er konvergiert gegen 1.
Wird R2m kleiner, verringert sich auch die Resonanzfrequenz und die Frequenz der maximalen Spannungsübersetzung.
Beispiel:
Für L2m/C2 = 109 würde bei R2m = 1 Mohm die Frequenz auf den 0.99976 fachen Wert der idealen Resonanzfrequenz
(geben durch L2b und C2 ohne R2m) abfallen.
Dies entspricht ca. 60Hz Abfall wenn f0_ideal = 250 kHz wäre.
Dies wird relevant, wenn die Spannung hoch genug wird, um Entladungen in die Luft hervorzurufen.
Der Funke führt zu einer ohmschen Belastung, welche im Model einer Reduzierung des R2m entspricht.
-> Sobald der Funke zündet, verringert sich die Resonanzfrequenz.
Ferner ist zu beachten, das obiges Formelwerk nur für
gültig ist.
Beispiel für eine typische Solid State Tesla Coil (SSTC):
Für sqrt(L2m/C2) = 30 kohm , R2m = 1 Mohm , fm ≈ 250 kHz
beträgt der Fehler der Formel für fm ca. 0.12 Hz.
Bei R2m = 200 kohm beträgt der Fehler bereits 54 Hz.
Koppelfaktor
Da
folgt,
dass die Resonanzfrequenz für steigenden Koppelfaktor steigt.
Bemerkung:
Sieh auch --> L1-Kompensation
4.5 Resonanzschärfe
Im Zusammenhang mit der Solid State Tesla Coil (SSTC) ist die Resonanzschärfe ein Maß dafür,
wie genau die Frequenz der maximalen Spannungsübersetzung getroffen werden muss.
Dies ist besonders relevant, wenn eine starrer Ansteuerung (Frequenz wird nicht nachgeregelt) verwendet wird.
Ansatzpunkt für die Abschätzung sind die 3dB Eckfrequenzen
(also die Frequenzen, bei denen die Spannungsübersetzung auf den 0.707 fachen
Wert des Maximums abgefallen ist).
Die 3dB Eckfrequenzen sind näherungsweise gleich den Frequenzen, bei denen gilt :

Dies ist der Fall wenn

Einsetzen und Umstellen führt zu der Gleichung

und deren Lösungen

Auf Grund des Ansatzes gehören diese Eckfrequenzen allerdings zur Resonanzfrequenz f0 .
Wie bereits im Kapitel Reihenwiderstand Rr müssen auch diese Frequenzen mittels eines Faktors
entsprechend der tatsächlichen Frequenz der maximalen Spannungsübersetzung verschoben werden.
Es ergibt sich :

und

f3db_l ist dabei die untere (bildlich linke) Eckfrequenz und
f3db_r ist dabei die obere (bildlich rechte) Eckfrequenz.
Die 3dB Bandbreite kann mittels B3db= f3db_r - f3db_l. errechnet werden und ergibt sich zu:

Diskussion:
Die beiden Eckfrequenzen sind nicht exakt symmetrisch zur Frequenz des Maximums (fm).
Die obere Eckfrequenz f3db_r ist etwas näher an fm als die untere Eckfrequenz f3db_l.
Beispielsweise ist die Differenz der Abstände
( bei einer 3dB Bandbreite (B3db ) von 8 kHz ) ca. 50 Hz.
Ferner ist zu beachten, das obiges Formelwerk nur für
gültig ist.
Beispiel für eine typische Solid State Tesla Coil (SSTC) (gerundete Werte):
Für sqrt(L2m/C2) = 30 kohm, R2m = 1 Mohm, fm = 250 kHz, B3db= 8kHz.
beträgt der Fehler der Formel für B3db ca. 2 Hz.
Bei R2p = 200 kohm (und somit B3db= 40kHz) beträgt der Fehler bereits 240 Hz.
Bemerkung:
Sieh auch --> L1-Kompensation
4.6 Spannungsübersetzung
Die Spannungsübersetzung, deren Maximierung (oder vielleicht
besser Optimierung) das Ziel des gesamten Aufbaues der Solid State Tesla Coil (SSTC) darstellt,
ist die wesentlichste Eigenschaft.
Gemäß dem Ersatzschaltbild (Abbildung 4) kann man die
Spannungsübersetzung U2/Ug aufteilen in Ugm /
Ug und U2 / Ugm.
Ug_m / Ug:
Gemäß --> Kapitel Innenwiderstand Ri

U2 / Ugm:
U2 / Ugm:
Für dieses Verhältnis gilt: 
U2/U2m:
Dieses Verhältnis ist durch die Transformation am Reihenschwingkreis bestehend
aus L2m+ (C2 || R2m) geprägt.

Bei Resonanz gilt: jXL – jXc = 0, wodurch sich obiger Term vereinfacht zu

Ferner gilt bei Resonanzfrequenz näherungsweise
, wodurch sich als Lösung ergibt:

(-j ) ist dabei so zu interpretieren, dass die Phase von U2 der Phase von U2m um 90° hinterher eilt.
Mit obigen Teilfaktoren ergibt sich:

Durch weiteres Umstellen ergibt sich schließlich

U2 / Ug:
Aus den Anteilen ergibt sich :

Diskussion :
U2/Ugm wird um so größer je größer C2 ist !
U2/Ugm wird um so größer je größer k ist.
U2/Ugm wird um so größer je größer R2m ist.
Je kleiner die Last desto höher die Spannung.
U2/Ugm wird um so größer je kleiner L1 ist.
In der Praxis der Solid State Tesla Coil (SSTC) muss man allerdings davon ausgehen, dass man L1 nicht beliebig verkleinern kann,
ohne dabei auch die Kopplung k zu verkleinern.
Des weiteren führt eine Verringerung von L1 bei gleich bleibenden Ri zu einer Verkleinerung
von Ug_m / Ug, was sich im Gesamten gegebenenfalls kontraproduktiv auswirken könnte.
Bemerkung:
Sieh auch --> L1-Kompensation
4.7 Eingangsimpedanz
Die Eingangsimpedanz Zin ist der (komplexe, frequenzabhängige) Widerstand den man an den Anschlüssen
der Primärspule L1 messen kann. Der Innenwiderstand des Generators (bzw. des Verstärkers) bildet
mit der Eingangsimpedanz einen Spannungsteiler,
dessen Teilerverhältnis für die Spannungsübersetzung von Bedeutung ist.
Dies wurde bereits indirekt im Kapitel Spannungsübersetzung beachtet.
dessen Teilerverhältnis für den Wirkungsgrad von Bedeutung ist.
Die Basis für die Analyse der Eingangsimpedanz bildet das reduzierte Ersatzschaltbild
gemäß --> Abbildung 3.
Die Eingangsimpedanz ergibt sich durch die Parallelschaltung von
der transformierten Schwingkreisimpedanz Zs_TF = Zs / TF2
und der Impedanz der Induktivität L1

Das Einsetzen der Basisgrößen (L1, L2b,…) und die
anschließende Auflösung dieser Formel führt zu schwer interpretierbaren
Ausdrücken. Aus diesem Grund werden die Anteile der Parallelschaltung zunächst
einzeln betrachtet.
Zs_TF:
Abgesehen vom Faktor 1/TF2 ergibt sich für Zs

Das Einsetzen der Basisgrößen sowie die Auflösung nach Real und Imaginärteil ergeben die folgenden Ausdrücke.


In der Nähe der Resonanzfrequenz also für f ≈ f0 folgt:
imag( Zs ) => 0

Schließlich gilt für Zs_TF bei (f ≈ f0):

Diskussion:
Impedanz Zs_TF wird in der Nähe Resonanzfrequenz (f ≈ f0) (bzw. der Frequenz der maximalen Spannungsübersetzung) reell.
Der Betrag der Eingangsimpedanz ist bei (f ≈ f0) und L/C < R2p2 umgekehrt proportional zu R2p,
denn der hintere Term geht gegen 1
Dies ist der typische Fall.
Das heißt:
Bei gleicher Generatorspannung wird ohne Funken-Entladung (=> größerer R2p)
mehr Leistung umgesetzt als mit Funken-Entladung.
Der Verstärker wird, sobald der Funke zündet, weniger belastet.
Wird nun aber R2p sehr klein (Lichtbogen oder kompletter Kurzschluss),
so wird der hintere Term zu 1/∞ , real{ Zs_TF} also zu Null.
In diesem Fall gibt es allerdings keine Resonanzeigenschaften mehr.
imag{ Zs_TF} wird zu ω*L2b/TF2.
Letztendlich ergibt sich unter Berücksichtigung der Parallelschaltung mit L1
imag{ Zs_TF} = L1*(1-k2)
XL1:
Dieser Anteil ergibt sich für (f ≈ f0) zu

Diskussion Zin:
Die Tendenz von Zin lässt sich allerdings auch ohne genaue Lösung der Parallelschaltung ableiten.
(f ≈ f0):
Dies ist der angestrebte Betriebsfall.
Da dort der Imaginäranteil von Zs_TF zu Null wird
erscheint die Schaltung als Parallelschaltung aus reellem Widerstand (Rs_TF) und Induktivität (XL1).

In der Parallelschaltung verringern sich Real- und Imaginäranteil gegenüber den Werten der Einzelkomponenten.
Im Zusammenhang mit dem Innenwiderstand Ri führt die Anwesenheit von L1
zu einem zusätzlichen Verlustleistungsanteil,
welcher in Ri umgesetzt wird. Dies verschlechtert den Wirkungsgrad und ist somit kontraproduktiv.
Bemerkung:
Als wesentliche Optimierungsmaßnahme ist hier die Kompensation des Blindanteils geboten.
(f > f0):
Zs_TF enthält bereits selbst eine induktive Komponente
Die Parallelschaltung bleibt induktiv
(f < f0):
Zs_TF selbst wird kapazitiv.
Dies kann (muss aber nicht) in Abhängigkeit von den einzelnen Komponenten zu Nullstellen im Imaginärteil führen.
Typischerweise reduziert sich der induktive Anteil allerdings nur zu einem lokalen Minimum.
Für kleinere Frequenzen (f < < f0) überwiegt schließlich wieder die alleinige Wirkung der Induktivität L1.
Für unkompensierte Eingangsimpedanzen nimmt |Zin| für f = f0 + Df bis zum
Erreichen eine lokalen Minimums ab,
und nimmt |Zin| für f = f0
- Df bis zum Erreichen eine lokalen Maximums zu.
Der Verstärker einer Solid State Tesla Coil (SSTC) ist folglich für Frequenzen oberhalb der Resonanzfrequenz mehr belastet (gefährdet)
als es für Frequenzen unterhalb der Resonanzfrequenz der Fall ist.
Bemerkung:
Sieh auch --> L1-Kompensation
4.8 Leistungsbilanz
Der Leistungsbilanz ist für die Solid State Tesla Coil (SSTC) bedeutsam.
Schließlich soll die Leistung in der Funkenentladung umgesetzt werden und nicht
am Innenwiderstand des Verstärkers.
Für die Leistungsbilanz könnte man zwischen zwei Betrachtungsweisen unterscheiden.
Primärer Leistungsbilanz
Bei dieser Betrachtungsweise liegt der Focus auf dem Verhältnis der im Resonator umgesetzten Leistung
(also in Zin) zur Eingangsleistung.
Die nicht im Resonator umgesetzte Leistung wird dann in Ri umgesetzt
und führt zur Erwärmung des Verstärkers.
Funktioneller Leistungsbilanz
Bei dieser Betrachtungsweise geht es um das Verhältnis
der rein in der Funkenentladung umgesetzten Leistung zur Eingangsleistung.
Bei dieser Betrachtung werden auch
der Leistungsumsatz im Reihenwiderstand der Sekundärspule Rr
sowie der Leistungsumsatz im Strahlungswiderstand Rs
den unerwünschten Verlustleistungen zugeordnet.
Da die Berechnung des Strahlungswiderstandes der Solid State Tesla Coil (SSTC) ohne weiteres
nicht möglich ist, soll auf die Analyse der "Funktionellen Leistungsbilanz", verzichtet werden.
Bemerkung:
Bei den folgenden Berechnungen zur Leistungsbilanz ist darauf zu achten, dass es sich um komplexe Zahlen handelt.
Leistungsbilanz der Solid State Tesla Coil (SSTC):
Scheinleistung S

(Z*) = conj(Z)
Generatorspannung Ug ; Gesamtimpedanz Zg = Ri + Zin ; Gesamtadmittanz Yg=1/Zg
Pg ist die tatsächlich aufgenommene Gesamtwirkleistung
Qg ist die Gesamtblindleistung, welche so zu verstehen ist,
dass pro Zeiteinheit eine bestimmte zusätzliche Energiemenge von der Quelle abgegeben
aber auch wieder zur Quelle zurückgeführt wurde.
In einer Halbwelle wird jeweils Energie zur Blinkomponente (also. z.B. Spule) übertragen
und in der anderen Halbwelle kehrt eben diese Energiemenge wieder zur Quelle zurück.
Verlustleistung am Innenwiderstand PRi:
mit
folgt

Leistung an der Eingansimpedanz SZin :
Betrachtungsweise "Primärer Wirkungsgrad" , also die gesamte am Resonator
umgesetzte Wirkleistung wird als Nutzleistung betrachtet.
mit
folgt

und

Primärer Verlustfaktor:
Bildet man das Verhältnis PRi / PZin , so könnte man diesen als primären Verlustfaktor fLost bezeichnen.
Es ergibt sich:

Dieser Faktor bringt zu Ausdruck, wieviel Verlustleistung im Verstärker (in der Enstufe des Generators)
relativ zur im Resonator umgesetzten Leistung entsteht .
Dieser Faktor sollte natürlich möglichst klein werden.
Dies ist der Fall, wenn auch Ri möglichst klein ist.
Erstrebenswert ist fLost < 0,1 oder anders gesagt fLost < 20 %
(Bei fLost = 10% müsste die Endstufe beispielsweise 100 W Wärme abführen können
wenn man eine Ausgangsleistung von 1000 W wünscht)
fLost = 100% bedeutet beispielsweise, dass am Verstärker die gleich Leistung umgesetzt wird wie im Resonator.
fLost kann für suboptimale Konstruktionen auch deutlich größer als 100 % werden.
Der Verlustfaktor wird klein , wenn Zin groß wird.
Bedenkt man, dass Zin aus der Parallelschaltung von L1 mit ZS_TFhervorgeht,
kann man erkennen, dass mit fallenden Blindwiderstand XL1 auch Zin kleiner wird.
Dies ist kontraproduktiv für einen guten Verlustfaktor.
Die Blindleistung in XL1 führt zu einer Wirkverlustleistung im Verstärker.
4.9 L1-Kompensation
Wie die Betrachtungen (Kapitel Eingangsimpedanz und
Kapitel Leistungsbilanz) zeigen, wirkt der
durch L1 erzeugte Blindanteil ungünstig auf die Leistungsbilanz sowie den
Verlauf der Eingangsimpedanz. Deshalb sollte diese negative Wirkung
kompensiert werden.
Zu diesem Zweck wird nun der primäre Parallelkondensator C1 in die Betrachtungen aufgenommen.
Bemerkung:
Prinzipiell könnte man sich auch eine Serienkompensation
vorstellen. Allerdings erzeugt man damit ein doppelt resonantes System, welches
das Grundprinzip der so genannten Dual Resonant Solid State Tesla Coil (DRSSTC) darstellt.
Die Erörterung der Dual Resonant Solid State Tesla Coil (DRSSTC) ist nicht das Ziel dieser Abhandlung.
C1 muss so bemessen werden, dass der Blindanteil von L1 bei
der Frequenz der maximalen Spannungsübersetzung fm aufgehoben wird.

Daraus folgt :

Diskussion:
Die Anwendung dieser Kompensation führt zu Konsequenzen
Die unter Kapitel Innenwiderstand Ri beschriebene Wirkung des Innenwiderstandes verändert sich.
Da XL1 durch den Parallelschaltung Z(L1||C1) substituiert wird und
Z(L1||C1) in der Nähe der Resonanzfrequenz sehr groß wird,
folgt für die Ersatzgrößen
Ugm ≈ Ug bzw. mug ≈ 1
Rim ≈ Ri

L1m ≈ 0
L2m ≈ L2b
Dementsprechend verändern sich auch abgeleiteten Größen.
Die Resonanzfrequenz ändert sich entsprechend der Änderung der Größen L2m und R2m.
Die Resonanzfrequenz ist bei Anwendung der L1-Kompensation etwas höher als ohne Kompensation.
Die Abhängigkeit der Resonanzfrequenz von Ri verringert sich.
(speziell bemerkbar bei relativ großem Ri ).
Die Resonanzschärfe ändert sich.
Da Rim ohne L1-Kompensation größer ist als ohne,
wird der Anteil R2pRim (Anteil von R2m ) kleiner,
was seinerseits zu einer Vergrößerung der Bandbreite führt.
Der Anteil der Spannungsübersetzung Ugm / Ug wird etwa gleich 1.
Dieser Aspekt kompensiert sich allerdings durch den ebenfalls kleiner werdenden R2m
Die Spannungsübersetzung bleibt als Produkt etwa konstant und
kann nun vereinfacht ausgedrückt werden durch:

Die Eingangsimpedanz reduziert sich auf :
Zin ≈ Zs_TF
Der Verlauf der Eingangsimpedanz Zin = f(f) verbessert sich.
|Zin| hat bei f ≈ f0 ein lokales Minimum und
wird sowohl für f = f0 + Df als auch
für f = f0 - Df größer.
(natürlich nur bis zum Erreichen lokaler Maxima)
Der Verstärker wird also bei moderater Verstimmung nicht mehr belastet als bei Resonanzfrequenz.
Bemerkung:
Die L1 Kompensation ist allerdings kein "Wundermittel".
Bei einer suboptimal dimensionierten Solid State Tesla Coil (SSTC)
(fLost > 100 %) ist der durch L1 erzeugte Scheinleistungsanteil
bereits vernachlässigbar klein, sodass der leistungsoptimierende Effekt der Kompensation klein ist oder
sich sogar negativ auswirken kann.
Weitgehend unverändert bleiben jedoch die positiven Effekte
Leistungsoptimierung nachdem die Funkenentladung gezündet hat (Rs hat sich verkleinert).
Verbesserung des Verlaufes der Eingangsimpedanz Zin = f(f).
4.10 Zusammenfassung der Ergebnisse
In der Praxis kann man die Basisgrößen der Solid State Tesla Coil (SSTC) (wie z.B R2p oder auch k) nur mit gewissen Toleranzen bestimmen.
Diese Toleranzen werden in der Regel mehr Einfuß auf die charakteristischen Eigenschaften des Resonators der Solid State Tesla Coil (SSTC)
haben, als die zum Teil aufwendigen, zusätzlichen Faktoren in den
Bestimmungsgleichungen (wie z.B. bei der Resonanzfrequenz).
Für den praktischen Gebrauch können die Ausdrücke deshalb in
grober Näherung angemessen vereinfacht werden.
R2m:
R2m = Rs || R2pRr || R2pRi
Rs
Dieser Wert kann leider nicht so einfach ausgedrückt werden.
Er wird für zunehmende Hochspannung (speziell wenn die Entladung beginnt) kleiner.
Wenn man sich für Situation vor dem Zünden der Funkenentladung interessiert,
kann man diesen Wert möglicherweise zuerst einmal vernachlässigen.
(also sehr große Werte 10..100 Mohm setzen).
Bemerkung:
Die Analyse diese Wertes wird Thema einer weiteren Abhandlung sein

Es sei erwähnt, dass ggf. ein erheblicher Anteil der
Resonatorleistung im Reihenwiderstand umgesetzt wird.

mit 
Resonanzfrequenz:

mit L2b = L2 * (1-k2)
3 dB Bandbreite:

Spannungsübersetzung:

Ug ist dabei die Leerlaufspannung des Generators (Verstärkers)
Resonatorimpedanz (Eingangsimpedanz):
Dies ist die Impedanz mit welcher der Generator (Verstärker) belastet wird.

mit R2p = Rs || R2pRr
Primärer Verlustfaktor:

Ist ein Maß dafür, wie viel Leistung im Verstärker "verbrannt" werden muss
um eine bestimmte Ausgangsleistung zu erzielen.
fLost sollte möglichst klein gehalten werden. Richtwert < 20%
Für gegebenes Zin (denn Zin ist mehr oder weniger durch
die mechanische Konstruktion bestimmt) gilt es Ri zu minimieren.
5 Literaturverzeichnis
[1] Grimsehl ; Lehrbuch der Physik; Band 2; Elektrizitätslehre; Teubner Verlagsgesellschaft Leipzig 1985
[2] K. Lunze; Theorie der Wechselstromschaltungen; VEB Verlag Technik Berlin 1985
[3] K. Lunze; Berechnung elektrischer Stromkreise; VEB Verlag Technik Berlin 1985
[4] K. Lunze; Einführung in die Elektrotechnik; VEB Verlag Technik Berlin 1988
Weiterführende Links
http://de.wikipedia.org/wiki/Tesla-Transformator.